Zucht

Die Zukunft unserer Collie Zucht

Die Liebe und Begeisterung für die Rasse Langhaar Collie besteht seit meiner frühen Kindheit. Viele schöne Momente, Erlebnisse und Erinnerungen sind mit unseren Collies verbunden. Das unkomplizierte und freundliche Wesen, die Vielseitigkeit, die soziale Verträglichkeit, die sanfte und sensible Seite – kombiniert mit einer guten Portion Temperament und Ausdauer. Trotz aller Schönheit und Würde, ist und bleibt der Collie ein Hütehund, ein Arbeitshund. Diese Eigenschaft sollte genauso wenig verloren gehen, wie der korrekte Körperbau, ein einwandfreier Charakter und die generelle Gesundheit und Fitness.  

2015 gab es den ersten Wurf in meiner Zuchtstätte. Bis 2022 waren es insgesamt vier Collie Langhaar Würfe. Damit zähle ich garantiert nicht zu den langjährigen und „big players“ der Zuchtszene. War, ist und wird auch niemals mein Ziel sein. Wofür man jedoch keine jahrelange Erfahrung und viele Würfe benötigt, ist die Liebe zu den Hunden, das Leben mit den Hunden im Familienverband, die artgerechte Beschäftigung und Auslastung und das Ziel gesunde und glückliche Hunde zu züchten. Das hat für mich oberste Priorität. Gelernt habe ich in der Zwischenzeit mir selbst, meinem Leben mit den Hunden und meiner Einstellung treu zu bleiben, und immer auch auf mein Bauchgefühl zu hören. 

Unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Zuchtbestimmungen des ÖCBH, ÖKV und selbstverständlich aller tierschutzrelevanten Punkte, habe ich meine Würfe immer gut durchdacht gewählt, nach bestem Wissen und Gewissen, Informationen und Gesundheitsergebnisse, die einem als Züchterin zur Verfügung stehen bzw. von aufrichtigen und seriösen Züchtern gestellt werden.

Nach jahrelanger Haltung von Collies kann ich eine gute allgemeine Gesundheit der Rasse bestätigen. Mit meinen Collies bin ich grundsätzlich zum Impfen bzw. bei den Seniorenhunden auch zum Vorsorgecheck beim Tierarzt. Bis jetzt gab es bei uns keine Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Probleme mit der Verdauung oder dem Bewegungsapparat, Verhaltensauffälligkeiten, Hautprobleme oder andere klinische Auffälligkeiten. Selbstverständlich sind auch genetische Untersuchungen unserer Hunde auf rassetypische Erbkrankheiten wichtig, denn einige haben Einfluss auf die Gesundheit. 

Die Entwicklungen der letzten Jahre bezüglich neuer Tierschutzauflagen, sowie umgesetzter und geplanter Vorgaben machen uns das Leben als Züchter und Hundeliebhaber teilweise sehr schwer. Ich bin wirklich die letzte Person, die den Tierschutz NICHT unterstützt, aber nicht ohne im Detail hinzusehen. Es ist schlichtweg falsch, dass so gut wie alle Rassehunde krank sind und diese täglich Qualen erleiden müssen. Selbstverständlich muss gegen Qualzuchten vorgegangen werden, bei denen Lebewesen unter physischen und psychischen Symptomen und Problemen leiden.  Bei einer kontrollierten und seriösen Hundezucht setze ich jedoch als 100% selbstverständlich voraus, dass das Wohlbefinden und die Gesundheit des Hundes an erster Stelle stehen. Züchter, denen jeder einzelne Hund am Herzen liegt, die ihre Würfe liebevoll aufziehen, die Welpen bestmöglich sozialisieren und für die künftigen Familien der Welpen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, werden alles nur Mögliche tun, um in der Zucht auf die Gesundheit des Hundes zu achten.  

Viele Faktoren beeinflussen die Selektion der Zuchthunde, wie das Bestreben des Rassestandards, die Zuchtbestimmungen des Clubs, die eigenen Zuchtziele, die Gesundheit und Wesensmerkmale der Rasse und vieles mehr. Jede Form der Selektion bedeutet automatisch eine Reduktion der Population. Um diesem Problem entgegenzuwirken ist es wichtig den Inzuchtkoeffizienten und des Ahnenverlustkoeffizienten bei der Auswahl der Verpaarungen zu berücksichtigen, Rüden nicht unlimitiert decken zu lassen, die Zucht immer als Instrument der Verbesserung und Gesunderhaltung der Rasse zu sehen und das Wohl der Lebewesen an die erste Stelle zu stellen.

Zur einer Problematik, die die Zucht der Rasse Collie Langhaar sehr beeinflusst: Träger der CEA = Collie Eye Anomalie) werden als Qualzucht eingestuft. Dazu werden sowohl Anlagen- als auch Merkmalsträger gezählt. Bei einem Anlagenträger handelt es sich um Hunde, die nicht von der CEA betroffen sind, und bei einer entsprechenden Verpaarung auch deren Nachkommen niemals selbst erkranken können. Bei einem Merkmalsträger sprechen wir bei der milden Form der CEA – die aktuell immer noch den größten Teil der Collie Population betreffen – von Hunden, die unter keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung leiden und deren Grad der CEA sich im Laufe des Lebens nicht verändert. Wenn Merkmalsträger mit einem genetisch freien (CEA Non Carrier) verpasst werden, können die Nachkommen ebenfalls nicht selbst erkranken. Sollten Anlagen- und Merkmalsträger von der Zucht ausgeschlossen werden, dann hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die Zucht. Vor allem für Hunderassen, bei denen die Population genetisch komplett freier Hunde sehr niedrig ist. Wenn der Genpool so drastisch eingeschränkt würde, muss man leider von anderen schwerwiegenden Problemen ausgehen. 

Ein anderes Phänomen ist das Thema „Merle“:  Hier kursieren ebenfalls schon einige Jahre hartnäckig falsche Informationen und Halbwissen von scheinbar selbst ernannten Experten. Und gerade im Zeitalter von Social Media & Co. ist es sehr wichtig, die Quellen genau zu betrachten, um nicht in die Irre geführt zu werden. Also wenn zum Beispiel behauptet wird: Hunde mit der Farbe Blue Merle können nicht schwimmen, sind anfälliger für diverse Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten kann ich nur sagen: absoluter Schwachsinn. Dies ist einfach schlichtweg falsch.  

Kurze Aufklärung: Durch den Merle-Faktor wird dunkles Fell stellenweise aufgehellt. Dadurch entsteht die unregelmäßige Sprenkelung und die Möglichkeit zu blauen / teilweise blauen Augen. Das Merle-Gen an sich verursacht keine Probleme, sondern eine „falsche“ Merle-Zucht. Zwei Merle-Genträger miteinander zu paaren ist verboten und fällt unter das Qualzuchtgesetz. Bei Welpen solcher Paarungen kann es u.a zu Anomalien der Augen und Ohren, zu einer Einschränkung oder völligem Verschwinden der Seh- und Hörfähigkeit und Störung des Gleichgewichtssinn kommen. Wie gesagt verantwortungsvolle und aufgeklärte Züchter verpaaren keine Merle mit Merle, und damit auch keine „versteckten Träger des Merle-Gens“ übersehen wird, gibt es zum Glück einen Gentest (M-Lokus). 

Es gibt so viele Faktoren die berücksichtigt werden, um wirklich sorgsam, seriös und verantwortungsvoll zu züchten. Das macht eben den deutlichen Unterschied zu Vermehrern aus, denen das Wohl der Hunde nicht wichtig ist. Es gibt überall schwarze Schafe auch innerhalb eines Verbandes, möchte ich gar nicht abstreiten. Aber deshalb kann man nicht die gesamte Rassehundezucht anschwärzen. Deshalb müssen wir immer und immer wieder aufmerksam machen und das beginnt schon bei der Welpen/Hundesuche an: Augen auf beim Welpenkauf!!

Wir alle sind bestimmt einer Meinung: „Qualzucht“ muss verboten sein und dieses Ziel verfolgen bestimmt alle verantwortungsvollen Züchter sehr gerne. Leider haben einige Forderungen und Vorschriften nichts mehr mit dem Ziel einer gesunden Rassehundezucht und dem Tierschutz zu tun. Für Zucht und Ausstellungen gibt es Vorschläge zu immer drastischeren und willkürlich wirkenden Maßnahmen und Einschränkungen, die jedoch die Falschen treffen werden. Während die Gefahr besteht, dass die seriöse und kontrollierte Hundezucht, sich der Willkür und den Schikanen nicht weiter aussetzen möchte, werden die Importe kranker Hunde und die Dunkelziffer der schwarzen Schafe in der Hundezucht bestimmt nicht gestoppt. 

Mit viel Liebe zu dieser großartigen Rasse, habe ich eine kleine Zucht aufgebaut. Basis waren und sind gesunde und charakterlich stabile und souveräne Collies. Mir ist bewusst, dass meine Ansprüche in der Zucht sehr hoch sind, und ich werde meinem Qualitätsanspruch, Rasseverständnis und Bauchgefühl immer treu bleiben.  Jetzt gilt es abzuwarten was der Entwurf der Novelle zum Tierschutzgesetz für die Umsetzung unserer Colliezucht bedeuten würden. Denn aktuell finde ich persönlich nicht wirklich eine eindeutige und klare Antwort in diesem Bestimmungs-Wirrwarr: Zuchtbestimmungen des Clubs, ein Leitfaden zur Beurteilung von Qualzuchtmerkmalen, unterschiedliche Vorgaben für die Hundezucht pro Bundesland und teilweise sehr vage Aussagen von zuständigen Amtstierärzten. Da stimmt nicht alles überein und bis jetzt konnte ich daraus noch keine verbindliche klare Antwort für uns erhalten. Von daher:  Die Hoffnung Sanidas Diamonds wie bisher weiterführen zu können gebe ich (noch) nicht auf.